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Quietschgeräusche bei Linearantrieben beseitigen
Wartung
1. Einleitung
Egal ob Hubgetriebe, Elektrozylinder oder Schubkette – Quietschgeräusche während des Betriebs sind nicht nur störend, sondern häufig auch ein Frühwarnzeichen für Verschleiß oder Montagefehler. Solche Geräusche entstehen meist durch Reibung zwischen Bauteilen, wenn Schmierung fehlt oder das System verspannt ist. Im Folgenden, typische Ursachen für Quietschgeräusche und wie Sie diese dauerhaft beheben.
2. Warum kommt es zu Quietschgeräuschen?
Ein Quietschgeräusch entsteht meist, wenn zwei trockene Oberflächen unter Last aufeinandergleiten. Im Bereich von Linearantrieben können dies Spindel und Mutter, Führungsbuchse und Kolbenrohr oder Kettenglieder in einer Führung sein. Auch ungewollte mechanische Verspannungen oder Seitenkräfte können übermäßigen Kontakt verursachen – mit hörbaren Folgen.
3. Typische Ursachen
Ein Quietschgeräusch entsteht üblicherweise dann, wenn zwei Oberflächen ohne Schmierfilm aufeinander gleiten. Auch verschlissene Teile führen häufig zu Quietschgeräuschen bevor sie ausfallen. Dabei kann die Fehlerquelle an allen möglichen Reibstellen entstehen:
3.1 Mangelschmierung
Wurde zu lange kein Schmierstoff aufgetragen oder ist die Schmierstelle nicht mehr zugänglich, entsteht metallischer Kontakt – und damit das typische Quietschen. Auch wenn die Spindel nicht korrekt in der Mutter liegt, kann Reibung ohne Schmierfilm auftreten.
3.2 Verspannung im System
Eine Verspannung entsteht oft, wenn das Hubelement nicht spannungsfrei eingebaut wurde oder keine ausreichenden Freiheitsgrade zur Ausdehnung vorhanden sind. Durch Temperaturänderungen verstärkt sich die Spannung, was zu erhöhter Pressung an Führungsbuchsen (üblicherweise am Gehäuse) führt – ebenfalls eine häufige Quietschursache.
3.3 Seitenkräfte
Seitenkräfte wirken quer zur Bewegungsrichtung und erhöhen die Flächenpressung in den Führungen oder in der Spindelmutter. Durch Erhöhung der Pressung in der Führungsbuchse, kommt es zu übermäßigem Kontakt.
4. Maßnahmen zur Behebung
4.1 Schmierung prüfen und ggf. erneuern
Stellen Sie sicher, dass alle beweglichen Teile regelmäßig und ausreichend geschmiert werden. Bei Zylindersystemen erfolgt die Schmierung häufig über einen Schmiernippel bei vollständig ausgefahrenem Kolben. Hinweis: Eine Überfettung ist technisch meist unkritisch, kann aber zu Verschmutzung führen oder den Kraftbedarf des Hubelements erhöhen.
4.2 Montagerichtlinien beachten
Verwenden Sie niemals eine Festlager–Festlager-Kombination bei Systemen mit Spindel. Das Hubelement muss sich temperaturbedingt axial ausdehnen können. Eine falsche Lagerung kann zu inneren Spannungen führen.
4.3 Verspannung durch Test lösen
Oft wird eine ungewollte Verspannung sichtbar, wenn ein Befestigungspunkt gelöst wird. Springt das System dann in einen entspannten Zustand zurück, war es zuvor unter Spannung eingebaut. Prüfen Sie hier die Einbautoleranzen und Lagervorgaben des Herstellers.
4.4 Seitenkräfte erkennen und minimieren
Typische Quellen von Seitenkräften sind:
- ungenauer Stahlbau
- außermittige Lasten
- Windbelastungen
- verkantete oder schiefe Rollenführungen
Nutzen Sie zum Ausrichten z.B. Maschinenwasserwaagen oder Lasersysteme bei ungenauem Stahlbau. Bei stark wechselnden Seitenkräften sollte ggf. eine stärkere Führung oder eine alternative Bauform gewählt werden.
4. Ergänzender Hinweis: Geräusche gezielt lokalisieren
Bei komplexen Anlagen lohnt es sich, das Geräusch im ausgeschalteten Zustand manuell nachzuvollziehen – z. B. durch langsames Bewegen per Hand. So kann die betroffene Komponente (Spindel, Buchse, Führung etc.) besser identifiziert werden. Auch akustische Sensoren oder Stethoskope kommen in der Instandhaltung zunehmend zum Einsatz.
5. Fazit
Quietschgeräusche bei Linearantrieben sind nicht nur störend, sondern fast immer ein Anzeichen dafür, dass im System etwas nicht stimmt. Häufige Ursachen wie fehlende Schmierung, unzulässige Verspannungen oder Seitenkräfte lassen sich mit etwas Erfahrung gut erkennen – und meist schnell beheben. Wer früh reagiert, verhindert nicht nur Folgeschäden und ungeplante Stillstände, sondern sorgt auch für einen dauerhaft zuverlässigen und leisen Betrieb.
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